"Danke, dass'do bist!"

Begrüßung
Ich war beruflich auswärts unterwegs und habe ein Hotelzimmer bei einem kleinen Familienbetrieb gebucht. Ich kannte das Hotel schon, schätze die familiäre Atmosphäre und komme auch deswegen immer wieder gern. Der Check-In war wie immer sehr freundlich. Da ich dieses Mal ein anderes Zimmer in einem anderen Gebäude hatte, kam der Mitarbeiter am Empfang ein paar Schritte mit, um mir den Weg zu zeigen. Ich hatte mich gerade bedankt und mich Richtung Zimmer umgedreht, da ist es passiert:
"Danke, dass'do bist!"
sagte der Empfangsmitarbeiter. Dieses Danke hätte nicht mehr sein müssen. Die soziale Interaktion war beendet. Das Danke war genauso beiläufig, wie es der Hauptdarsteller war. Und es war kein normales Danke, kein "Herzlich Wilkommen und Danke Sie unsere Kundin sind." Nein, das war ein tiefes, respektvolles Dankeschön, dass ich ein Zimmer bei Ihnen gebucht habe. Aus diesem Menschen sprach das Selbstverständnis, dass das nicht selbstverständlich ist. Diese authentische, offene Art hat mich sehr berührt. Ein solches Dankeschön höre ich selten. Und es hat mich darin bestärkt, dass es richtig war, trotz der heißen Temperaturen auf ein klimatisiertes Hotelzimmer in einer Hotelkette zu verzichten.
Nachgefragt
Nachdem ich meine Sachen im Zimmer abgelegt hatte, habe ich den Empfang noch einmal aufgesucht und dem Mitarbeiter mitgeteilt, dass ich mich über seine Worte gefreut habe. Und er entgegnete: "Für mich ist das selbstverständlich. Denn ohne Dich wäre das hier nicht möglich. Ich bin dankbar, dass Du hier bist. Wir könnten das sonst nicht machen." Diese Aussage bestätigte, was ich zwischen den Zeilen gehört habe: eine tiefe Dankbarkeit dafür, diese Arbeit machen zu können und das Selbstverständnis, dass andere Menschen einem das ermöglich. Vielleicht auch ein bisschen Demut vor der Abhängigkeit von anderen Menschen - aber im positiven Sinne.
Vorbild
Ich habe beim anschließenden Spaziergang über das Erlebnis nachgedacht und finde, dass der Mitarbeiter ein tolles Vorbild ist. Dafür, mehr Dankbarkeit und Demut zu leben. Nicht, als einzelnen Akt, sondern als Haltung im Leben. Und genau diese Haltung nach außen zu zeigen und danach zu handeln.
Gedankenexperiment
Stell Dir einfach mal vor, dass alles was Du hast, nicht so selbstverständlich ist, wie es den Anschein hat. Hier einige Beispiele:
Du hast ein Dach über dem Kopf? Viele Menschen haben das nicht!
Du hast eine gute Beziehung zu Deiner Mutter/Deinen Kindern? Viele Menschen haben das nicht!
Du hast genug Essen? Auch das haben viele Menschen nicht.
Wasser aus dem Wasserhahn? Ja...richtig - auch nicht selbstverständlich!
Statt dem Gefühl, dass all das dauerhaft und normal verfügbar ist, könntest Du eine tiefe Dankbarkeit dafür entwickeln, dass Du das all das hast. Und schon wird aus einer Selbstverständlichkeit ein wertvolles Gut, über dass Du Dich jeden Tag freuen kannst.

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